Flughafen Tempelhof – Ein Stück Geschichte Berlins, auch ohne Flugbetrieb

Veröffentlicht am 01.03.2008 in Service

Zur aktuellen Debatte um die Beendigung des Flugverkehrs in Tempehof ein Beitrag von Dilek Kolat, Vorsitzende der SPD Tempelhof-Schöneberg.

Der Flughafen Tempelhof ist zweifellos ein Stück Geschichte Berlins. Er war seinerzeit der erste Verkehrsflughafen in Deutschland. Durch die Luftbrücke wurde er für Westberlin zu einem Garanten, die Blockadezeit zu bestehen. Ein Nazi- Bau und Symbol der Freiheit zugleich.

Ich frage, braucht Tempelhof einen Flugbetrieb, um die Vergangenheit dort leben zu lassen? Nein, im Gegenteil: Ohne Flugbetrieb ist die Zeitreise in die Geschichte für Besucherinnen und Besucher viel besser möglich. Das Gebäude als Kulturdenkmal wird auch nach Ende des Flugbetriebes bleiben. Eine intelligente Nutzung als Gedenkstätte mit den Rosinenbombern muss aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil der Neunutzung werden.

Tempelhof gehört zur Historie Berlins. Und die sollen alle Berlinerinnen und Berliner, aber auch Touristen begreifen können. Der Flughafen Tempelhof bietet dafür perfekte Möglichkeiten – allerdings nur flugfrei.

Die Bedürfnisse des vereinten Berlins haben sich verändert – zum Glück

Heute ist die verkehrstechnische Bedeutung des Flughafens Tempelhof denkbar gering. Nur 1,7% der Passagiere nutzen den Flughafen Tempelhof. Berlin kostet das viel Geld: In den letzten zehn Jahren „erwirtschaftete“ der Flughafen Tempelhof einen Verlust von 115 Mio. €. Die steigende Bedeutung des Berliner Flugverkehrs geht an Tempelhof vorbei. Ein Grund hierfür sind allein schon die örtlichen Gegebenheiten. Der Flughafen ist nicht erweiterbar und für große Verkehrsflugzeuge ungeeignet. Ähnliche Erweiterungsprobleme gibt es auch in Tegel. Die Politik erkannte das Problem sehr früh. 1996 einigten sich Eberhard Diepgen, Verkehrsminister Matthias Wissmann (beide CDU) und Manfred Stolpe (SPD) auf Schönefeld als Single- Airport für Berlin.

Basis für den Bau des BBI ist der Landesentwicklungsplan „Flughafenstandortentwicklung“ von 2003. Dieser schließt einen „Landeplatz“ in Tempelhof klar aus. Bliebe Tempelhof offen, wäre die rechtliche Planungsgrundlage für den BBI hinfällig. Eine erneute Klagewelle gegen den BBI könnte somit einen Baustopp in Schönefeld für mehrere Jahre bedeuten – vielleicht sogar für immer. Zwei Mrd. € Investitionen stünden auf dem Spiel. Bisher profitieren von den Aufträgen zum Ausbau Schönefelds zu 80 % die regionalen Unternehmen. Das sichert und schafft Arbeitsplätze.

Wer profitiert vom Flughafen Tempelhof?

Dem stehen Interessen von wenigen Menschen gegenüber, die von der Offenhaltung Tempelhofs profitieren würden. Die CDU will einigen wenigen die Möglichkeit für ihre Privat- und Geschäftsflüge erhalten. Ich denke, dass viele Befürworter Tempelhofs nicht wissen, dass es ausschließlich um die Interessen der Menschen geht, die sich Privatflüge leisten können. Kann man diesen Leuten nicht zumuten, einige Minuten länger bis Schönefeld zu fahren? Genau genommen ist Schönefeld ein Stadtflughafen. Der von der CDU so häufig zitierte Londoner Cityflughafen ist von der Londoner Innenstadt nicht schneller zu erreichen, als der BBI von der Berliner City.

BBI ist die Zukunft Berlins!

Es geht auch darum, die steigenden Passagierzahlen zu bewältigen. Das geht nur mit dem BBI; Tempelhof kann dafür keine Entlastung bringen. Berlin zählte 2007 20 Mio. Passagiere. Ein gutes Zeichen für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt. BBI sichert Kapazitäten bis mindestens 40 Mio. Passagiere pro Jahr.

Eine gemeinsame Studie des Instituts für Verkehrswissenschaften der Uni Köln und der Wirtschafts- und Verkehrsberatung KE- Consult geht von mindestens 40.000 Arbeitsplätzen aus, die der BBI für die Region bringt. Berlin würde mit der Offenhaltung Tempelhofs den Bau Schönefelds und sich damit große Chancen verbauen.

Ich bin überzeugt, dass die Berlinerinnen und Berliner ein deutliches Votum für Berlin und den BBI abgeben werden und Tempelhof als Park der Luftbrücke, als Zentrum für Sport und Freizeit, als Museumsstandort, als Standort für Lehre und Forschung für alle Berlinerinnen und Berliner und für ihre Gäste zugänglich werden wird.

Dilek Kolat
Kreisvorsitzende

 

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